Im Zuge der vielen Gesundheitsreformen werden die Menschen zunehmend dazu gezwungen Eigeninitiative für ihr Wohlbefinden und ihre Gesundheit zu ergreifen. Deshalb nimmt die Beanspruchung privater Gesundheits- und Leistungszentren zu. Gleichermaßen steigt der sporttherapeutische und leistungsdiagnostische Anspruch an die qualitative Ausstattung und Betreuung dieser Einrichtungen, um durch ein individuell angepasstes Kraft-, Schnelligkeits- und Ausdauertraining die persönlichen Leistungsmöglichkeiten optimal auszuschöpfen.
Dem dient ins besonders das aerobe Ausdauertraining (Gehen/Walking, Wandern, Treppensteigen/Step, langsamer Dauerlauf/Joggen, Aerobic, Inline-Skaten, Skilanglauf, Radfahren, Schwimmen, Triathlon, u.a.). Es sollte mindestens zwei- bis dreimal wöchentlich in einem solchen Umfang betrieben werden, dass mindestens 2000 kcal pro Woche zusätzlich verbraucht werden.
Die sensibelste Messgröße zur Bestimmung der optimalen Belastungsintensität stellt die mittels Messung des Atemminutenvolumens (Spiroergometrie) oder des Milchsäurespiegels (Laktat) im Blut beurteilte aerob-anaerobe Schwelle dar (Hollmann, 1959) bzw. die 4-mmol/l-Laktatschwelle Mader et al., 1976).
In Verbindung mit den hierbei gewonnen Erkenntnissen lässt sich ein Training entwickeln, dass dem Trainierenden konkrete Angaben zur Gestaltung seines dosierten individuellen Herz-Kreislauf- und Stoffwechseltrainings (besonders des Fettstoffwechsels) gibt.
Die wesentlichen durch optimiertes Training erzielten chemisch-physikalischen Anpassungsvorgänge im Körper sind: Vermehrung der Kraftwerke (Mitochondrien) und der Kapillaren (Haargefäße) in der trainierten Muskulatur, Verminderung des Sauerstoffbedarfs des Herzens, relativer Herzinfarkt-Schutz, Verminderung des lebenswichtigen Sauerstoffbedarfs des Herzens bei gleichzeitiger Vergrößerung des Sauerstoffangebotes, Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes, gesundheitsbezogene, positive Veränderungen im Fettstoffwechsel und in der hormonellen Steuerung des Stoffwechsels sowie eine positive Beeinflussung von Blutdruck, Körpergewicht und Immunsystem. Auf verschiedenen unterschiedlichen Wegen biochemischer Natur im Gehirn wird das Wohlbefinden gesteigert. Individuell angepaßte Übungen zur Verbesserung der Koordination (Geschicklichkeit) runden ein solches präventiv-medizinisches Programm ab.
Alle Anforderungen an die Steuerung eines kontrollierten optimierten Ausdauertrainings werden durch die Laktatleistungsdiagnostik und Spiroergometrie erfüllt. Die Testverfahren sind so konzipiert, dass die individuellen Leistungsvoraussetzungen berücksichtigt werden und damit einen sehr gute Verwendbarkeit der ermittelten Daten für das eigene Training gesichert ist.
Was ist Laktat? Warum ein Laktattest?
Wenn während einer intensiven Ausdauerbelastung der über die Atmung aufgenommene Sauerstoff nicht ganz ausreicht, um den im Muskel benötigten Energiebedarf ( ATP , energiereiche Phosphate) zur Muskelkontraktion zu decken, entsteht das saure Stoffwechselprodukt Laktat .
Laktat ist das Endprodukt des anaeroben laktaziden Stoffwechsels und der beste Indikator für die objektive Beurteilung der Ausdauerleistungsfähigkeit. Bei steigender Belastung nimmt die Laktatbildung und -elimination (-beseitigung, Verstoffwechslung) zu; dabei wird irgendwann eine Intensität erreicht, bei der die Bildung gerade noch der Elimination entspricht.
Diesen Bereich von 4 mmol/l Laktat bezeichnet die Sportmedizin als:
- maximales Laktat Steady State (maxlass) ,
- aerobe/anaerobe Schwelle
die im aeroben Ausdauertraining nicht überschritten werden darf. Der Schwerpunkt des Ausdauertrainings mit mittlerer und hoher Belastungsdauer für die verschiedenen Sportarten wie Marathonlauf, Ultratriathlon oder Radsport findet jedoch bei deutlich niedrigeren Laktatkonzentrationen statt, die auf der Basis aktueller Untersuchungsdaten des Sportlers berechnet werden.
Der untrainierte Kunde trainiert ebenso im optimal eingestellten Fettstoffwechselbereich wie der Hochleistungssportler.
Warum müssen wir mit Laktat arbeiten?
Die gängigen Eingangstestverfahren im Fitness- und Breitensportbereich mit dem Ziel der Beurteilung und Steuerung der Ausdauerleistungsfähigkeit beruhen auf der Ermittlung der Herzfrequenz unter Belastung. Mit verschiedenen rechnerischen Verfahren und Faustformeln wird versucht, auf den gesundheitlich wertvollen aeroben Trainingsbereich zu schließen.
All diese Verfahren sind jedoch fehlerhaft, da die Dynamik der Herzfrequenz primär von der Genetik und der Änderung des Energiebedarfs im Muskel (eben dem Laktatverhalten) beeinflusst wird. Mit keinem Testverfahren, welches nur die Herzfrequenz in Beziehung zur Leistung setzt, kann man diesen Bereich ermitteln, auch wenn es u.a. die Firmen in Ihrer Werbung vorgaukeln.
Kein Hochleistungssportler würde sich einem unwissenschaftlichen "Nur-Herzfrequenz-Testverfahren" unterziehen, um seine Leistungsentwicklung zu vergleichen oder seine Trainingssteuerung zu optimieren. Die Hochleistungssportler in den verschiedenen Ausdauersportarten bedienen sich vielmehr weltweit seit rund 25 Jahren der wissenschaftlich abgesicherten Leistungsdiagnostik um ihre Ziele zu erreichen.
Nur mit Hilfe der Blutlaktatkonzentration bei körperlicher Belastung kann man auf die individuelle Stoffwechselsituation schliessen. Und dies ist ganz wichtig, weil für milde aerobe Trainingsbelastungen mit dem Ziel, Kalorien in Form von Fetten zu verlieren und/oder positive Anpassungserscheinungen auszulösen, ganz bestimmte individuelle Laktatkonzentrationen einzuhalten sind.
Die Höhe der Blutlaktatkonzentration entscheidet u.a. darüber, ob mehr Fette oder Kohlenhydrate für eine gegebene Trainingsbelastung verbraucht werden und wie hoch die Herzfrequenz für das Fettstoffwechseltraining oder andere Trainingsziele liegt.